Was ist „Perowskit“ wirklich?
Artikel anhörenAutomatisch generierte Sprachausgabe

Der Begriff geht zurück auf das russische Mineral CaTiO₃, benannt nach Lev Perowski. In der Photovoltaik beschreibt „Perowskit“ heute jedoch eine ganze Materialfamilie mit derselben Kristallstruktur, die sich als dünne Schichten kostengünstig und bei niedrigen Temperaturen herstellen lässt – auch auf flexiblen Substraten.
Perowskit vs. Silizium: Realität und Zukunft der Solarenergie 2025.

Kurzfassung: Perowskit-Solartechnologien entwickeln sich von Laborrekorden hin zu ersten kommerziellen Produkten – vor allem als Perowskit-Silizium-Tandemzellen, die die physikalischen Grenzen von Silizium durchbrechen. Bestwerte von über 34 % Wirkungsgrad sind bestätigt, und die ersten Tandem-Module werden ausgeliefert. Aber: Stabilität, Bleihandling und Gigawatt-Fertigung bleiben die größten Herausforderungen.
Warum Perowskite wichtig sind ?
1) Rekordwirkungsgrade – vor allem in Tandems.
Unabhängige Datenbanken belegen: Perowskit-Silizium-Tandemzellen erreichen >34 % (zertifiziert) – weit über dem Limit von reinem Silizium.
2) Erste Produkte am Markt.
Das deutsch-britische Unternehmen Oxford PV brachte 2024 die ersten kommerziellen Tandem-Module heraus (~24,5 % Modulwirkungsgrad) und meldete 2025 einen Weltrekord von 25 % für ein Solarmodul.
3) Industrielles Interesse.
Große Hersteller wie LONGi, Jinko, Trina und Qcells investieren massiv. Qcells erreichte Ende 2024 28,6 % auf einer großformatigen Zelle – ein starkes Signal in Richtung Massenproduktion.
4) Leicht und flexibel.
Japan setzt Milliarden-Investitionen auf ultradünne, biegsame Perowskit-Filme für Gebäude, Fassaden und mobile Anwendungen – Ziel: industrielle Marktreife bis 2040.
Kosten & Nachhaltigkeit
Weil Perowskite in Dünnschichtverfahren bei niedrigen Temperaturen gefertigt werden können, weisen Studien eine geringere CO₂-Bilanz und kürzere energetische Amortisationszeiten gegenüber Silizium auf – sofern die Lebensdauer weiter verbessert wird.
Herausforderungen
- Stabilität: Empfindlich gegenüber Feuchtigkeit, Hitze und UV-Strahlung. Fortschritte bei Verkapselung und Teststandards (IEC, ISOS) verbessern die Haltbarkeit.
- Blei-Problematik: Die effizientesten Zellen enthalten Blei. Lösungen reichen von Barrierebeschichtungen über Recyclingkonzepte bis hin zu bleifreien Alternativen (z. B. Zinn), die aber noch schwächere Wirkungsgrade liefern.
- Skalierung: Pilotanlagen existieren (Deutschland, China), doch echte Gigawatt-Fabriken müssen noch beweisen, dass Erträge und Zuverlässigkeit bankfähig sind.
Russland und die Forschung.
Russland hat durch die Namensgebung historische Verbindungen. Forschungszentren wie NUST MISIS arbeiten an Perowskit-Zellen für Raumfahrtbedingungen. Erste Prototypen und Fördergelder sind vorhanden, aber der internationale Marktdurchbruch hängt von globalen Lieferketten und Investitionen ab.
Ausblick: Tandem ist die Brücke
Anstatt Silizium zu verdrängen, ergänzen Perowskite es. Tandemzellen sind der wahrscheinlichste nächste Schritt: höhere Wirkungsgrade, gleiche Produktionsbasis, breiter Einsatz in Dachanlagen, Gebäudefassaden und Off-Grid-Systemen.
Zahlen auf einen Blick (Sept. 2025)
- Weltrekord Tandemzelle: 34,85 % (LONGi, NREL-zertifiziert)
- Oxford PV Modulrekord: 25 % (2025)
- Großformatige Tandemzelle: 28,6 % (Qcells, verifiziert durch Fraunhofer)
Was jetzt entscheidend ist ?
- Langzeittests im Feld → Bankfähigkeit
- Massenproduktion in China & Europa → Skaleneffekte
- Bleisichere Designs & Recyclingstandards → regulatorische Akzeptanz.